Emblem der Bewegung Nova Difusão und des Centro de Pesquisas em Musicologia, gegr. S. Paulo 1968

‍Prof. Dr. phil. habil. Antonio Alexandre Bispo

‍neue diffusion
ein dokumentationsprojekt

ANAIS

Emblem der Akademie Brasil-Europa
Prof. Dr. Antonio Alexandre Bispo. Universität Köln. Vorstand der Akademie Brasil-Europa und des ISMPS


barock-ästhetik
kolonialismus 

propaganda & mentalität


curt lange

1903-1997

Emblem der Bewegung Nova Difusão und des Centro de Pesquisas em Musicologia, gegr. in São Paulo 1968

neue diffusion
ein dokumentationsprojekt

rückblicke

lehrveranstaltungen in brasilien
1970 - 1974

fakultät für musik und kunsterziehung des musikinstituts são paulo
fachbereiche ästhetik, ethnomusikologie und
fundamente der expression und kommunikation der menschen



vorausgehende studien und initiativen

zentrum für forschungen in musikologie
gesellschaft neue diffusion ND 1968
studienreise nach minas gerais


fakultät für philosophie der universität são paulo 1968


fakultät für architektur der universität são paulo 1968
barockfestival der neuen diffusion/kulturamt são paulos 1970

paraphernalia – konzerte und studien zur alten musik 1970
baroquíssimos – projekt build up 1970


interamerikanisches institut für musikwissenschaft – montevideo 1973

Das ausgeprägte Interesse für den Barock in Architektur, Plastik, Malerei und Musik in den 1960er und den ersten 1970er Jahren in Brasilien äußerte sich in Publikationen, Lehrveranstaltungen an der Universität São Paulo und an Hochschulen sowie in der Aufmerksamkeit, die die Konzerte von Musik aus dem Barock und mit dem Ensemble junger Musiker Musikantiga und dessen Nachfolger Paraphernalia erhielten. 


Dieses Phänomen war mehr als nur Ausdruck eines erwachenden historischen Interesses für Geschichte, für die architektonischen Bauten oder Kunstwerke aus dem Barock und somit aus der Kolonialzeit Brasiliens oder für die alte Musik insgesamt. Diese war bereits seit Jahrzehnten u.a. Gegenstand der 1935 gegründeten Bach-Gesellschaft von São Paulo, die weiterhin aktiv war. 


Dieses Interesse erklärt sich auch nicht nur aus der Rezeption von entsprechenden Tendenzen zur Wiederentdeckung alten Repertoires, historischer Aufführungspraxis und des Spiels alter Musikinstrumente. Dieses wachsende Interesse für den Barock im Verlaufe der 1960er Jahren in der jungen Generation und in fortschrittlich denkenden Intellektuellen- und Künstlerkreisen São Paulos war Ergebnis sozialer und kultureller Prozesse in metropolitanen Kontexten in ihrer vitalen Dynamik der Veränderungen und erfüllt vom Drang nach Erneuerung von Denk- und Sichtweisen, nach Befreiung von erstarrter Strukturen und Normen in einer Zeit, die von politischer Unterdrückung bestimmt war. 


Auch die ältere Bewegung der alten Musik und die Bachbewegung verstanden sich zwar zu Anfangszeiten als im Dienste der Erneuerung nicht nur des Repertoires und des Konzertlebens, sondern von psychischen und mentalen Dispositionen stehend und setzten sich in einer vielfach prägenden geistes-wissenschaftlichen Orientierung als hehre Aufgabe, an der Erneuerung des Menschen mitzuwirken. 


Das neue Interesse für den Barock in den 1960er Jahren entsprach einem Erneuerungsdrang unter veränderten Vorzeichen in einer ganz anderen existentiellen Situation und Lebenserfahrung. Bei aller Nähe der Interessen und Vorhaben waren die Unterschiede zwischen gestrigen und aktuellen Erneuerungsbestrebungen schon in der visuellen Sprache von Präsentationen und Konzerten, in der Performance von Musikern offenkundig. Ein Ensemble wie Paraphernalia unterschied sich in seiner Darstellung und Bühnenpräsenz kaum von denen der Popularmusik in Zeiten des Tropicalismo